Nach Hause fahren zu den Feiertagen ist bekanntlich immer ein halsbrecherischer Akt. Zu Ostern wird der Spaß dann zum ganz normalen Osterhasenwahnsinn. Eine Ode an die Heimat.
Langsam wird es warm in deiner Unistadt der Wahl: Die Sonne scheint dir ab und zu schon schelmisch ins Gesicht, die Sommersprossenzucht geht wieder los, auf den Straßen wandeln die leichtbekleideten Hotties… und du kehrst der Stadt, der du einst deine Liebe schenktest als du die Unizusage bekamst, den Rücken zu, um nach Hause – ins idyllische, von Hügeln durchzogene Heimatdorf – zu fahren.
Wundervoller Weltschmerz.
Das Zugticket hast du mal wieder einen Tag vor der Angst gebucht, da waren die Spartickets jeglicher Discounter Supermärkte natürlich schon längst vergriffen. Unabwendbare, aber zum Glück nur mittelschwere Katastrophe: mal wieder keine Knete.
Egal. Von der stickigen Stadtluft geht’s dann rein in die noch stickigere Zugluft, um nach mindestens sechs Stunden Fahrt wieder hinaus an die „frische“, dank des methanausstoßenden Lieblingstieres der Inder, unverkennbar ländliche Luft zu dürfen. Bei diesem vertrauten Geruch kann man schon mal melancholisch werden.. Weil man seine neue Heimat, die neu gewonnene Freiheit der Uniwelt, verlassen musste, aber auch, weil man beim Anblick der einst verlassenen Heimat eben selbst als hartgesottener Student sentimental wird.
Nachdem die Eltern dann wiedererkannt, der Hund sich neu an dich gewöhnt hat und deine kleine Schwester lächelnd zugibt, dass sie dich ja irgendwie schon vermisst hat, kann die Oster-Ausfrag-Orgie mit der „Was macht die Uni?“ Standardfrage beginnen, um sofort wieder mit der „Was soll die Uni schon machen..!? Standardantwort zu enden.
Knüller!
Was in den kommenden Tagen folgt, ist die obligatorische Ostereiersuche gemeinsam mit der vollständigen Familienbande und schließlich die gigantische Oster-Schlemm-Orgie. Alles wird begierig verschlungen, was Mama auf den Tisch stellt. Alles nachgeholt, worauf man so lange verzichten musste.. Mama is’ eben doch die Beste.
Und Spaziergänge um den Dorfsee, die länger scheinen als jede Liebesschnulze mit Brad Pit, ermöglichen das anschließende Weiteressen.
Hallelujah!
Zugegeben, trotz der Tatsache, dass man bis auf den letzten Tropfen Intimsphäre von der gesamten Familie über sein Studentendasein ausgequetscht wird, ist es doch ganz schön auch mal wieder alle beisammen zu haben. Es macht ja, je älter man wird, auch wieder richtig Spaß mit den Alten ‘nen kühles Bier zu trinken. Die Mamas kichern dann irgendwann ganz glücklich und die väterliche Brust schwillt an vor Stolz, wenn sich das Gespräch um das, in der fernen Stadt studierende “Kind”, dreht.. Und wir sitzen da, lauschen den gutgemeinten Klängen familiärer Eintracht, trinken genüsslich unser Bier und stellen an dieser Stelle dann doch fest: Es ist ja schon ganz schön.
Aber drei Tage Osterwahnsinn übersteht man natürlich nur mit ambivalenten Gefühlen. So kommt man nicht um ein schelmisches Grinsen herum, wenn dir die Oma am Ende des Spektakels einen fetten Schein zusteckt und fürsorglich säuselt: „Hier mein Kind, du hast es ja in deiner Studentenbude nicht so gut wie zu Hause..”
Na, beinahe hat sie ja Recht. Denn, schön ist es für ein paar Tage in elterliche Gefilde zu kommen, aber nach ein paar Tagen genügt der Spaß und wir freuen uns wieder auf unsere Studentenbude in unserer neuen Lieblingsstadt, so arm wir dort auch sein mögen.

















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